Least Privilege für KI-Agenten
Eine Aktion, die ein System nicht ausführen darf, kann auch eine erfolgreiche Prompt Injection nicht auslösen. Least Privilege ist damit die einzige Maßnahme, die unabhängig von der Qualität des Modells und der Filter wirkt — und die einzige, die eine harte Grenze zieht statt einer Wahrscheinlichkeit.
OWASP führt die Ursache übermäßiger Rechte als eigenes Risiko (LLM06: Excessive Agency). Für die Abwehr von Prompt Injection ist das der Hebel mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung.
Rechte schneiden statt Rollen kopieren
Der häufigste Fehler ist, einem Agenten die Rechte seines Nutzers zu geben. Damit wird jede Injektion zu einer Handlung im Namen dieses Nutzers — das klassische Muster des verwirrten Stellvertreters.
Sauber ist der umgekehrte Weg: Man beginnt bei der konkreten Aufgabe und vergibt genau die Rechte, die sie erfordert. Ein Agent, der Termine vorschlägt, braucht keinen Schreibzugriff auf den Kalender. Ein Agent, der Tickets zusammenfasst, braucht keinen Versandkanal.
Praktische Regeln
- Ein Werkzeugsatz je Aufgabe, kein globaler Katalog.
- Schreiben, senden, bezahlen und ausführen brauchen eine Freigabe außerhalb des Modells.
- Zugangsdaten nicht dauerhaft im Kontext halten, sondern je Aufruf kurzlebig vergeben.
- Ratenlimits und Budgets setzen — sie begrenzen auch fremdgesteuerte Läufe.
- Aktionen protokollieren, damit im Ernstfall nachvollziehbar bleibt, was ausgelöst wurde.
Techniken, deren Schaden Least Privilege begrenzt
Diese Einträge aus dem Techniken-Verzeichnis gehören unmittelbar zu diesem Thema — jeder mit Funktionsweise, Risiko-Einstufung, Schutzmaßnahmen und Primärquelle.
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Tool-Poisoning (MCP)
Die Beschreibung eines Werkzeugs — etwa eines MCP-Servers — enthält versteckte Anweisungen. Der Agent liest sie beim Auflisten der verfügbaren Tools, noch bevor er das Werkzeug überhaupt aufruft.
Risiko hoch -
Prompt-Infektion in Multi-Agenten-Systemen
Eine Injektion, die sich selbst weitergibt: Ein kompromittierter Agent reicht die Anweisung samt Vervielfältigungsauftrag an die nächsten Agenten weiter — wurmartige Ausbreitung im Verbund.
Risiko hoch -
Verwirrter Stellvertreter
Der Agent handelt mit den Rechten des Nutzers, folgt aber der Absicht eines Angreifers — er wird zum Stellvertreter, der seine Berechtigungen fremdgesteuert einsetzt.
Risiko hoch -
Werkzeug-Missbrauch durch Injektion
Die eingeschleuste Anweisung veranlasst den Agenten, seine angebundenen Werkzeuge zweckwidrig einzusetzen — Mails versenden, Dateien schreiben, Käufe auslösen, Code ausführen.
Risiko hoch -
Zero-Click-Injektion
Angriffsklasse, die ganz ohne Zutun des Opfers auskommt: Das Zustellen eines Inhalts in ein vom Assistenten durchsuchtes System genügt, um Injektion und Datenabfluss auszulösen.
Risiko hoch -
Code-Injektion über LLM-Ausgaben
Die Ausgabe des Modells wird ungeprüft weiterverarbeitet — als HTML gerendert, als SQL abgesetzt, als Shell-Befehl ausgeführt. Eine Injektion wird damit zu klassischer Codeausführung.
Risiko hoch
Passende Werkzeuge
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AgentDojo
Dynamische Testumgebung, die Agenten mit realistischen Aufgaben und eingebetteten Injektionen konfrontiert und Nützlichkeit gegen Sicherheit misst.
Open Source -
InjecAgent
Benchmark für indirekte Prompt Injection in werkzeugnutzenden Agenten, unterteilt in Angriffe auf Nutzerdaten und auf Nutzeraktionen.
Open Source -
mcp-scan
Prüfwerkzeug für MCP-Server, das Tool-Beschreibungen auf versteckte Anweisungen, Tool-Poisoning und nachträgliche Änderungen untersucht.
Open Source
Einordnung in die OWASP LLM Top 10
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LLM06: Übermäßige Handlungsvollmacht
Das System darf mehr, als es für seine Aufgabe müsste — zu viele Werkzeuge, zu weite Rechte, zu viel Autonomie ohne menschliche Kontrolle.
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LLM01: Prompt Injection
Eingaben verändern das Verhalten des Modells auf eine vom Betreiber nicht vorgesehene Weise — unabhängig davon, ob der Text für Menschen sichtbar ist oder nicht.
Häufige Fragen
Was ist die wirksamste Maßnahme gegen Prompt Injection?
Die Begrenzung der Rechte. Filter und Klassifikatoren senken Wahrscheinlichkeiten; eine Aktion, die das System nicht ausführen darf, kann eine Injektion dagegen unter keinen Umständen auslösen.
Was bedeutet Excessive Agency bei OWASP?
LLM06:2025 beschreibt Schäden, die entstehen, weil ein LLM-System zu weitreichende Funktionen, Berechtigungen oder Autonomie besitzt — unabhängig davon, wodurch das Fehlverhalten ausgelöst wurde.
Quellen
- OWASP GenAI Security Project: LLM06:2025 Excessive Agency: https://genai.owasp.org/llmrisk/llm062025-excessive-agency/
- OWASP GenAI Security Project: LLM01:2025 Prompt Injection: https://genai.owasp.org/llmrisk/llm01-prompt-injection/