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Angriffsvektor

Angriffsvektor Werkzeuge, Function Calling und MCP

Werkzeuge erweitern ein Sprachmodell um Handlungsfähigkeit — und um zwei Textkanäle, die selten als Angriffsfläche wahrgenommen werden: die Beschreibung des Werkzeugs, die das Modell liest, um es zu verstehen, und die Rückgabe des Werkzeugs, die es anschließend verarbeitet. Beide landen im Kontextfenster.

Über das Model Context Protocol (MCP) binden Anwendungen fremde Werkzeug-Server ein. Damit wird die Werkzeugliste zur Lieferkette — und jeder Server zu einer Vertrauensentscheidung. Der Mechanismus dahinter ist indirekte Prompt Injection; die Grundlagen erklärt Was ist Prompt Injection?.

Zwei Kanäle, eine Ursache

Tool-Poisoning nutzt die Beschreibung: Der Agent liest sie beim Auflisten der verfügbaren Werkzeuge — also bevor ein Aufruf überhaupt stattfindet. Wer den Server kontrolliert, kontrolliert diesen Text und damit einen Kanal, der vor jeder Nutzerinteraktion wirkt.

Der zweite Kanal ist die Rückgabe. Ein Werkzeug, das Webinhalte, Dateien oder Datenbankfelder liefert, reicht damit Fremddaten direkt in den Kontext. Für das Modell ist eine Werkzeug-Antwort nicht vertrauenswürdiger als eine beliebige Webseite.

Beides zusammen erklärt, warum Werkzeugketten sorgfältig geprüft gehören: Der Angriff braucht weder eine Schwachstelle im Modell noch einen Fehler im Anwendungscode.

Was wirksam hilft

  • Werkzeug-Server wie Abhängigkeiten behandeln: prüfen, versionieren, Änderungen bemerken.
  • Nur die Werkzeuge bereitstellen, die die aktuelle Aufgabe braucht — kein globaler Katalog.
  • Werkzeug-Rückgaben als Fremddaten kennzeichnen und nie als Anweisung interpretieren.
  • Wirkungsvolle Aufrufe (schreiben, senden, bezahlen, ausführen) mit Bestätigung versehen.
  • Werkzeugaufrufe protokollieren und mit Ratenlimits versehen.

Techniken aus dem Verzeichnis

Diese Einträge aus dem Techniken-Verzeichnis gehören unmittelbar zu diesem Thema — jeder mit Funktionsweise, Risiko-Einstufung, Schutzmaßnahmen und Primärquelle.

  • Angriff auf Agenten

    Tool-Poisoning (MCP)

    Die Beschreibung eines Werkzeugs — etwa eines MCP-Servers — enthält versteckte Anweisungen. Der Agent liest sie beim Auflisten der verfügbaren Tools, noch bevor er das Werkzeug überhaupt aufruft.

    Risiko hoch
  • Angriff auf Agenten

    Werkzeug-Missbrauch durch Injektion

    Die eingeschleuste Anweisung veranlasst den Agenten, seine angebundenen Werkzeuge zweckwidrig einzusetzen — Mails versenden, Dateien schreiben, Käufe auslösen, Code ausführen.

    Risiko hoch
  • Angriff auf Agenten

    Verwirrter Stellvertreter

    Der Agent handelt mit den Rechten des Nutzers, folgt aber der Absicht eines Angreifers — er wird zum Stellvertreter, der seine Berechtigungen fremdgesteuert einsetzt.

    Risiko hoch
  • Angriff auf Agenten

    Prompt-Infektion in Multi-Agenten-Systemen

    Eine Injektion, die sich selbst weitergibt: Ein kompromittierter Agent reicht die Anweisung samt Vervielfältigungsauftrag an die nächsten Agenten weiter — wurmartige Ausbreitung im Verbund.

    Risiko hoch
  • Angriff auf Agenten

    Code-Injektion über LLM-Ausgaben

    Die Ausgabe des Modells wird ungeprüft weiterverarbeitet — als HTML gerendert, als SQL abgesetzt, als Shell-Befehl ausgeführt. Eine Injektion wird damit zu klassischer Codeausführung.

    Risiko hoch

Passende Werkzeuge

  • Scanner · Invariant Labs

    mcp-scan

    Prüfwerkzeug für MCP-Server, das Tool-Beschreibungen auf versteckte Anweisungen, Tool-Poisoning und nachträgliche Änderungen untersucht.

    Open Source
  • Guardrail-Framework · Meta

    LlamaFirewall

    Guardrail-System für Agenten, das Eingaben, Zwischenschritte der Modell-Argumentation und erzeugten Code prüft, bevor eine riskante Aktion ausgeführt wird.

    Open Source
  • Benchmark · ETH Zürich (SPY Lab)

    AgentDojo

    Dynamische Testumgebung, die Agenten mit realistischen Aufgaben und eingebetteten Injektionen konfrontiert und Nützlichkeit gegen Sicherheit misst.

    Open Source
  • Benchmark · University of Illinois (Kang Lab)

    InjecAgent

    Benchmark für indirekte Prompt Injection in werkzeugnutzenden Agenten, unterteilt in Angriffe auf Nutzerdaten und auf Nutzeraktionen.

    Open Source

Einordnung in die OWASP LLM Top 10

  • OWASP LLM Top 10 · 2025

    LLM06: Übermäßige Handlungsvollmacht

    Das System darf mehr, als es für seine Aufgabe müsste — zu viele Werkzeuge, zu weite Rechte, zu viel Autonomie ohne menschliche Kontrolle.

  • OWASP LLM Top 10 · 2025

    LLM01: Prompt Injection

    Eingaben verändern das Verhalten des Modells auf eine vom Betreiber nicht vorgesehene Weise — unabhängig davon, ob der Text für Menschen sichtbar ist oder nicht.

  • OWASP LLM Top 10 · 2025

    LLM03: Lieferkette

    Risiken aus fremden Modellen, Feintunings, Datensätzen, Bibliotheken und Werkzeug-Servern, die in die eigene Anwendung eingebunden werden.

Häufige Fragen

Was ist Tool-Poisoning?

Tool-Poisoning bezeichnet versteckte Anweisungen in der Beschreibung eines Werkzeugs. Der Agent liest sie beim Auflisten der verfügbaren Werkzeuge — noch bevor er das Werkzeug aufruft — und behandelt sie wie eine legitime Vorgabe.

Ist MCP unsicher?

Das Protokoll selbst legt keine Vertrauensgrenze fest; es überträgt Werkzeugbeschreibungen und Ergebnisse. Sicher wird die Nutzung durch das Umfeld: geprüfte Server, minimale Werkzeugauswahl, Bestätigung für wirkungsvolle Aufrufe und Protokollierung.

Quellen

  1. Untersuchung zur Sicherheit von MCP-Servern und Tool-Poisoning (arXiv:2504.03767): https://arxiv.org/abs/2504.03767
  2. Model Context Protocol — Spezifikation: https://modelcontextprotocol.io/
  3. OWASP GenAI Security Project: LLM06:2025 Excessive Agency: https://genai.owasp.org/llmrisk/llm062025-excessive-agency/